Maseiner Geschichte

Prähistorisch bis Frühmittelalter (11000 v.Chr. – 300 n.Chr.)

Steinzeit, 5000 Jahre vor unserer Zeit war, die Zeit der Jäger und Sammler.

Für diese Zeit liefern nur sehr wenige Funde im Alpenraum Zeugnis für die damals hier lebenden Menschen. Als Funde mit grosser Bedeutung sind die Felszeichnungen von Carschenna, Gemeinde Sils i.D. zu erwähnen, sowie die Ausgrabungen auf dem Petrushügel oberhalb Realta, welche zeigen, dass schon damals die Gegend um Masein für Menschen attraktiv war. Feste, dauerhaft bewohnte Siedlungen gab es nach heutiger Erkenntnis in unserer Region noch nicht.

Unweit von Masein hat man auf den Hügeln Cresta ob Summaprada eine bronzezeitliche Siedlung entdeckt, die zeigt, dass mindestens ab dieser Zeit eine kontinuierliche Besiedlung unserer Region vorhanden war und bis in die frühe Eisenzeit reichte. Die Funde datieren zwischen 400 Jahre v.Chr. und 1800, bestehen hauptsächlich aus Werkzeug Hüttenresten und Siedlungshorizonten. Die gefundene italienische Terramare-Keramik, welche auf die frühe Bronzezeit datiert, verweist auf die frühe Begehung der Pässe nach Süden. Auch auf Hohenrätien wurden bronze- und eisenzeitliche Siedlungsreste entdeckt (Fiebeln, Beil).

Aus der jüngeren Eisenzeit (ca. 400v.Chr. – Chr. Geburt) stammen die ersten schriftlichen, römischen Aufzeichnungen, welche von Rätern berichten, die in die oberitalienischen Gärten einbrachen und Nahrungsmittel stahlen. Allgemein siedelten die Räter im Alpenraum, wobei nach Strabo und Plinius Räter auch im Gebiet des Rheintales siedelten.  Über die Sprache in unserer Region lässt sich nichts Genaues sagen, da Texte und Inschriften, die zu verstehen sind, fehlen. Auffallend früh, bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. und wohl durch die Vermittlung der Etrusker wurde am Südfuss der Alpen die Schrift bekannt. Bei uns wurde in Präz ein Stein gefunden, der eine vorrömische Inschrift trägt, nach Simonett eine lepontische Inschrift. Weitere Funde aus dieser Zeit sind in unserer unmittelbaren Umgebung  nur vereinzelt entdeck worden. Siedlungen in dieser Zeit sind in Chur, Tamins, Lenz, Bonaduz und Castaneda (Ti) belegt.

Karte von 1723

Die Römerzeit beginnt für unsere Umgebung mit dem Feldzug von Tiberius und Drusus, den Stiefsöhnen des Kaisers Augustus, im Jahre 15 v. Chr.. Mit der römischen Herrschaft wird das Lateinisch zur Amtsprache. Der starke Einfluss der römischen Kultur und Lebensart brachte für uns wichtige zivilisatorische Neuerungen, mit denen wir heute noch leben. Die Römer brachten uns die Gesetzgebung, Gemeindeverwaltung, die Post, das organisierte Kriegswesen, eine Staatsreligion und später das Christentum, den Strassenbau, Steinbauten und den Weinbau, um nur einige wichtige Elemente zu nennen.

In der frühen Kaiserzeit gehörte unsere Region zur Provinz Rätia mit der Hauptstadt Augsburg. Eine neue Einteilung machte Chur (Curia) zum einem Hauptort der Provinz Rätia prima. Graubünden war der Diözese „Italica“ der italienischen Präfektur angeschlossen, mit Verwaltungszentrum Mailand. Eine Römische Strassenkarte von 350 n.Chr. zeigt eine Strasse von Chur nach Chiavenna. Eine Strasse, die mindesten als Nebenlinie zur Strasse über Hohenrätien  auch an oder durch Masein durchführte, weil zu dieser Zeit der Talboden und auch Thusis nicht ohne weiteres begehbar war. Der meandernde Hinterrein machte den Talboden zu einer Auenlandschaft, die sumpfig,  stark verwachsen und daher äusserst unangenehm zu begeben war. Die Strasse über Masein führte vom Nesselboden bei Rongellen über den Crapteig Sattel nach Masein.

Dass die Einwohner unserer Region sich schlussendlich nicht gegen die Römer stellten, beweist die Annahme der lateinischen Vulgärsprache, dem Romanisch. Die Herrschaft der Römer dauerte bis ca. 300 n.Chr..

Es folge eine turbulente Zeit, in der Kriege und Völkerwanderungen stattfanden. Kurz vor 500 n. Chr. wurde die Region öfters von Alemannen heimgesucht, welche sogar über die Pässe bis in das heutige Tessin vordrangen.

Masein  1156

Nach heutigem Wissensstand wird Masein zum ersten Mal im Hochmittelalter, in einem  päpstlichen Dokument von 1156 schriftlich, als „Curtim de Medezenu“ erwähnt. Aus diesem Dokument geht hervor, dass Masein zum Kloster Cazis gehörte und für dieses Landwirtschaft betrieb. Masein  war damals ein Meierhof  wie auch Serlis, Tellaws (Dalaus) und Tosana (Thusis), welche mindestens zum Teil auf  heutigem Maseinergebiet lagen. Masein gehörte zum Bischof von Chur, welcher die Herren von Masein/Rialt (Hohenrätien) als Schirmherren für das Kloster Cazis in diesem Gebiet einsetzte.

Masein um 1300

Zu dieser Zeit gehörte Masein den Besitzern der Burgen Untertagstein und Schauenstein sowie einigen freien Bauern. Landesherren waren bis 1337 die Herren von Vaz. Durch Heirat ging Masein an die Werdenberger und  Rhäzünser über.

Die Burg Schauenstein, von der heute praktisch nichts mehr zu sehen ist, ging durch Fehden um 1347 an die Rhäzünser, musste aber durch dieselben, nach einem Schiedsspruch niedergebrochen werden. Das Schloss Tagstein, das in der heutigen Form auf dem Wiederaufbau nach einem Brand von 1899 beruht, stammt vermutlich aus dem 12.-13. Jahrhundert und geht auf die Herren von Masein/Rialt zurück. Dieses Kulturgut hat viele Besitzerwechsel hinter sich und war immer wieder Drehscheibe der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung von Masein. Das Schloss ist heute in Privatbesitz.

Masein um 1500

Im Spätmittelalter, vor 1441 gingen die Maseiner auf Hohenrätien zur Kirche. Mit dem Bau der Kirche St. Florinus besassen die Maseiner  eine eigene Kirche und standen ab 1505 im Filialverhältnis zu Thusis. Reformiert wurde Masein im Jahre 1525.

1473 besiegelten die „Nachburschaften Tusis, Catz und Mazein“ den Via Mala-Brief, in dem sie kund taten, die Strasse durch die Via Mala auszubauen und zu erhalten. Dieses Vorhaben bedeutete für Thusis den Beginn einer sehr steilen, wirtschaftlichen Karriere. Für Masein war der Ausbau der Via Mala wirtschaftlich ein mässiger Erfolg, zumal mindestens eine alte Weglinie von Rongellen über den Crapteigsattel nach Masein führte und natürlich nach dem Ausbau der Via Mala kaum mehr Beachtung fand.

Ab 1475 ging Masein wieder in den Besitz des Bischofs von Chur über, welcher vom Grafen Jörg von Werdenberg-Sargans die Gerichte Thusis, Heinzenberg und Tschappina „mit allen Leuten, Strafgeldern und Bussen, mit Wild, Fischerei, Vogelmahl, Hochwälder, Erzen und Metall und mit dem Recht, Ämter zu setzen und zu entsetzen“ erwarb.

1526 bekannten sich die drei rätischen Bünde zur Demokratie. Masein gehörte auch nach dem Besitzwechsel von 1475 nicht zum Gotteshausbund, sondern zum Oberen (Grauen) Bund. Bestimmend war aber hauptsächlich der Bischof von Chur.

Masein um 1700

In der Zeit der Bündner Wirren und im Spannungsfeld der Grossmächte Frankreich/Venedig und Österreich/Spanien versuchte  man „frei zu werden“, was aber über eine Zeit von ca. 200 Jahren nicht gelang. Erst im Jahre 1662 verpfändete der Bischof seine Hoheitsrechte und im Jahre 1709 verkaufte er sie ganz. Privatrechtliche Bindungen wurden im Jahr 1771 ebenfalls durch Verkauf gelöst.

Nach der Urkunde von 1709 waren die Gemeinden am Heinzenberg nun „frei für alle Weltzeiten“.

Masein um 1800 bis heute

Wieder im Spannungsfeld der Grossen Politik Frankreichs (Napoleon) und Österreichs ereilte uns wirtschaftliche Not, da die durchziehenden Heere versorgt werden mussten. Um 1803 hatte Masein 198 Einwohner und war bis 1851 eine Nachbarschaft der Gerichtsgemeinde Thusis. 1920-67 stand die Wolldeckenfabrik in der Lochmüli. Wirtschaftlich gesehen, hat Masein neben einigen kleinen Gewerben noch Landwirtschaft im Ort. Die Haupterwerbsquellen der Bevölkerung liegen in Thusis und den Talgemeinden sowie im Churer Rheintal.

Heute hat Masein ca. 400 Einwohner und ist über die Zeit von 1473 bis heute, mit einigen kleinen Ausnahmen (Streitigkeiten), auf die benachbarte Gemeinde Thusis ausgerichtet. Seit neustem wird mit den Gemeinden Flerden und Tschappina auf Kanzleiebene zusammengearbeitet.

Renato Nay