Auch das Theaterspielen hat in Masein Tradition
Bereits 1817 – also rund 30 Jahre vor der Gründung unseres Bundesstaates – wurde die Knabengesellschaft von Masein ins Leben gerufen. Graubünden litt zur damaligen Zeit immer noch unter den Nachwehen der kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Franzosen unter Napoleon. Mit der herrschenden Armut und Hungersnot ging auch ein allgemeiner Sittenzerfall einher. Um dieser Entwicklung Gegensteuer zu geben, beschlossen 20 Jünglinge aus Masein, eine Knabenschaft zu gründen. Man traf sich zum Teil mehrmals in der Woche zu Gesangsproben und organisierte Altjahrfeiern.
1854 fanden dann die ersten Tanzanlässe (Fasnachtsbälle) statt, und erstmals wurde auch ein Theaterstück einstudiert.
In höhere Sphären der Theaterkunst führte die „etwas verwilderte Knabenschaft“ dann der 1825 in Riga als Sohn eines emigrierten Zuckerbäckers geborene Maseiner Bürger namens Anton Feltscher. Als er sieben Jahre alt war, kehrte er mit seiner Familie nach Masein zurück und besuchte dort die Dorfschule und später das Gymnasium in Zürich. Statt Theologe zu werden, wie es seine Eltern für ihn vorgesehen hatten, schloss er sich einer fahrenden Komödiantengruppe an, mit der er durch ganz Europa tingelte. Nach seiner Ausbildung zum Schauspieler in Hamburg begann für ihn eine beispiellose Karriere, die ihm zahlreiche Orden und Ehrungen einbrachte, wobei er am liebsten die dämonischen Charaktere Shakespears darstellte. Ob es diesbezüglich einen Bezug zu seinen eher wilden Jugendjahren gab, die er in Masein verbrachte, sei dahingestellt.
Nachdem sich Anton Feltscher 1877 in Masein als Alterssitz eine (noch heute zu bewundernde) Villa in russischem Stil erbaut und sich wenige Jahre später definitiv an seinem Heimatort niedergelassen hatte, wurden im unscheinbaren Heinzenberger Bauerndorf unter seiner Regie anspruchsvolle Stücke der klassischen Literatur einstudiert. 1885 starb Anton Feltscher, noch bevor er seinen Plan, mit den Maseiner Jugendlichen Schillers „Wilhelm Tell“ auf die Bretter zu bringen, hatte in die Tat umsetzen können. Seine Frau übernahm dann nach seinem Tod für über zehn Jahre die Regie.
Ein weiterer Verdienst Feltschers war es, dass er die eher starre, ja beinahe paramilitärisch organisierte Knabenschaft dazu brachte, eine Theatergesellschaft ad hoc zu bilden, zu der auch die jungen Frauen des Dorfes, die in der Mädchengesellschaft organisiert waren, Zugang fanden.
Um die Jahrhundertwende spielte die Knabengesellschaft gewöhnlich im Posthotel in Thusis, aber auch in der Werkstatt von Balthasar Ambühl, Theater. Bei den Aufführungen in Thusis soll der Saal jeweils zum Bersten voll gewesen sein.
Später soll auch in Masein im Haus von Menga Eichholzer und auf dem Stall der Familie Gredig-Gartmann wacker Theater gespielt worden sein.
Der Ruf nach einem gemeindeeigenen Theater- und Tanzsaal wurde immer lauter und einem entsprechenden Gesuch konnte 1909 mit der Projektierung des heute noch bestehenden Gemeindehauses entsprochen werden.
Abgesehen von einigen Unterbrüchen – zum Beispiel während des Ersten Weltkrieges – wurde in Masein weiterhin leidenschaftlich Theater gespielt, bis es dann 1969 definitiv zu einem Bruch mit dieser Tradition kam, weil damals abendfüllende Tanzanlässe mit moderner Musik gefragter waren und zudem die Kassen besser füllten.
Durch den Zusammenschluss der Knabengesellschaft mit der Mädchengesellschaft im Jahre 1967 wurde in Masein die heutige Jungmannschaft gegründet.
Zitat aus der Jubiläumsrede „100 Jahre Knabengesellschaft Masein“ von Valentin Eichholzer (1917)
“Unsere Vorfahren wollten der Jugend eine Unterhaltung verschaffen, die aufbaut und nicht niederreisst. Darum verlegten sie sich auf den Gesang und später auch auf das Theater. Der Gesang hilft uns über die Widerwärtigkeiten des Lebens, über Kummer und Sorge hinaus, er verbindet die Menschenherzen und gibt ihnen neuen Lebensmut. Auch die Schauspielkunst ist ein Unterhaltungsstoff erster Güte. Das Theater ist keine Komödie. Es will uns etwas Wichtiges lehren, nämlich die Kunst, schön und glücklich zu leben, und die Lebenskunst ist ja schliesslich das Ein und Alles für jeden Menschen.”
Gemäss Statuten beinhaltet der Sinn und Zweck der Jungmannschaft, dass man „die Erwachsenen unseres Dorfes bildend unterhält und das gesellschaftliche Leben pflegen soll. Dies soll man erreichen, indem man zusammen die Freizeit gestaltet, durch gemeinsames Singen und mit dem Aufführen eines Theaterstückes“. Offenbar hatte man sich im Jahre 1979 auf diesen Passus der Vereinsstatuten besonnen, indem man beschloss, die Maseiner Theatertradition nach einem ganzen Jahrzehnt der Theaterabstinenz weiter zu führen – wenn auch nicht mehr im ursprünglichen, auf das literarische Meisterwerk ausgerichteten Sinn.
Unter der Regie des damaligen Maseiner Primarlehrers Hansruedi Andreoli führte die Jungmannschaft 1980 den Dreiakter „A rächta Schluss“ auf. Die gelungene Darbietung war die Initialzündung zu einer seit nunmehr 30 Jahren gepflegten Weiterführung der Maseiner Theaterkultur. Es wurden auch immer wieder anspruchsvollere Stücke wie „Drei Männer im Schnee“ von Erich Kästner oder „Der Schaukelstuhl“ von Walter Schultheiss in Angriff genommen. Gespielt wurde bis im Jahre 1988 im alten Gemeindesaal, dann baute man die Kulissen im neu erstellten Mehrzweckgebäude auf, das mehr Platz für die Laiendarsteller, aber auch für die Zuschauer bot.
In diesen drei Jahrzehnten gab es Höhen und Tiefen in der Maseiner Theatergeschichte. Es war immer wieder ein Herausforderung für die Spielleiterinnen und Spielleiter, die entsprechenden Rollen zu besetzen und man hatte zwischendurch auch mit rückläufigen Zuschauerzahlen zu kämpfen.
Nichtsdestotrotz zeigte man eisernen Durchhaltewillen und hat bis heute in Masein die Freude am Theaterspielen nicht verloren.
Regisseurinnen und Regisseure des JUMA-Theaters:
| 1980 | - 1981 | Hansruedi Andreoli |
| 1982 | - 1983 | Pius Furger |
| 1984 | Hansruedi Andreoli | |
| 1985 | - 1990 | Pius Furger |
| 1991 | Doris Mark / Sandra Schnoz | |
| 1992 | Pius Furger | |
| 1993 | - 1995 | Hansruedi Grass |
| 1996 | Thomas Schuler | |
| 1997 | - 1999 | Hansruedi Grass |
| 2000 | Petra Zannier / Corina Mark | |
| 2001 | Petra Zannier | |
| 2002 | Barbara Bleuler | |
| 2003 | - 2004 | Priska Dosch / Caroline Welschen |
| 2005 | - aktuell | Barbara Bleuler |